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Basilika Sant’Andrea am Gardasee

Basilika Sant’Andrea

Unmittelbar daneben öffnet sich die Piazza delle Erbe zur Piazza Mantegna, die beherrscht wird von der monumentalen Fassade der Kirche Sant’Andrea (11), einer der beiden Kirchenbauten des Florentiners Leon Battista Alberti in Mantua, mit denen er die sakrale Architektur bahnbrechend erneuerte und zwei der frühesten Kirchen der Renaissance errichtete.
Der riesige Portalbogen, der zur Piazza zeigt, verkündet bereits das architektonische Programm, für dessen Umsetzung die Kirche berühmt geworden ist: Alle ihre architektonischen Elemente sind in monumentalisierter Form dem römischen Triumphbogen und dem Tempelbau entlehnt — die 1472 begonnene Kirche bricht wie die zwölf ]ahre vorher erbaute Kirche S. Sebastiano (s. S. 282) radikal mit allen gotischen Traditionen und nimmt allein antike Architekturformen zum Vorbild. Dies zeigt sich ebenso kompromisslos im Inneren, einem Raum von ungeheurer Weite, wie er seit der römischen Kaiserzeit nicht mehr gebaut worden war. Verschwunden sind die trennenden Arkadenreihen der gotischen Seitenschiffe, der gewaltige Raum verleugnet seine Anspielung auf die antiken Kaiserbasiliken ebensowenig wie das kassettierte Tonnengewölbe ein direktes Zitat aus dem legendärsten aller römischen Bauten darstellt, dem ebenfalls mit Kassetten verzierten Kuppelgewölbe des Pantheon. Das Tonnengewölbe als exakte fortsetzung des großen Fassadenbogens führt den >Durchgang durch den Triumphbogem im Inneren fort; die ebenfalls tonnengewölbten, von Pilastern getrennten Seitenkapellen wiederholen im gleichen Maßstab Rhythmus und Gliederung der Fassade — Anspielung auf den dreiteiligen Triumphbogen der späten Kaiserzeit Roms. Mit diesem Bauschema hat Alberti weit in die Zukunft gewiesen, er hat damit im Prinzip den Typus des Wandpfeilersaals geschaffen, der bis in den Klassizismus des 19. Jh. der meistgebaute Kirchentyp Europas blieb.
Uber dem Grundriss eines lateinischen Kreuzes bildet die großer Vierungskuppel (die erst im 18. Jh. vom Turiner Hofbaumeister Filippo Juvarra kongenial aufgesetzt wurde) im Ostbau der Kirche die Verbindung zu gleich langem Chor und Querarmen, eine Verbindung aus Längs- und Zentralbau, die bis in den Spätbarock kopiert wurde. Der riesige Bau von Sant’Andrea (105 m lang) ist innen in bemerkenswerter Weise >leer< — keine an die Gotik erinnernde Einteilung in Haupt- und Seitenschiffe sollte das neue Empfingen der ungeheueren Weite des Renaissance-Raums stören. Die künstlerische Ausstattung beschränkt sich dementsprechend auf feine und farbige Ornamentierung der Wandflächen und Seitenkapellen mit einigen Ölgemälden des 15,-18. Jh. In der ersten Seitenkapelle links vom Eingang befindet sich das schlichte Grab des großen Andrea Mantegna.

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