Brescia gehört zu jenen großen historischen Städten, die vom Tourismus weitgehend unentdeckt geblieben sind. Dabei erwartet den Reisenden gerade hier ein Erlebnis besonderer Art: Brescia ist die einzige Stadt Oberitaliens, in der alle Epochen ihrer Geschichte in bedeutenden Monumenten sichtbar geblieben sind, hier steht noch ein römischer Tempel am ehemaligen Forum, aus dem frühen Mittelalter hat sich die langobardische Königskirche San Salvatore erhalten, die Romanik präsentiert sich mit dem Rundbau des Duomo Vecchio, Gotik zeigt das Kloster San Francesco, die gesamte Piazza della Loggia ist umgeben von stattlichen Bauten der venezianischen Renaissance und barocke Paläste, Kirchen, Straßenzüge finden sich überall. Der Grund für dieses zu allen Zeiten lebendige Interesse lag in der Bedeutung der Stadt als Zentrum der Verarbeitung jener Metallvorkommen, die in den hier mündenden Gebirgstälern seit der Antike ausgebeutet wurden — vom Mittelalter bis in die Neuzeit genoss der Ort den Ruf einer Waffenschmiede Italiens. Das Repräsentationsbedürfnis des Brescianer Patriziats ließ außer den architektonischen Monumenten zur Zeit der Renaissance eine hervorragende lokale Malerschule entstehen. Im Barock kamen die in Oberitalien führenden Freskanten illusionistischer Architekturen aus Brescia; sie sind als >Brescianer Quadraturmaler< in die Kunstgeschichte eingegangen. Der Besuch der ausgedehnten Altstadt mit ihren oberall sichtbaren Zeugnissen der Geschichte bietet einen besonderen Reiz, denn die Stadt führt wie seit 2000 Jahren ihr geschäftiges Eigenleben, in dem die Bauten als selbstverständlich genutzte Bestandteile fungieren. An den alten Plätzen finden sich keine Ketten von Touristencafés, sie dienen als Marktplätze oder Bushaltestellen; mittelalterliche Arkaden haben sich in moderne Geschäftspassagen unter Kreuzgewölben verwandelt, die Kirchen der frommen Stadt gehören noch immer mehr dem Gottesdienst als der Präsentation ihrer außergewöhnlichen Kunstwerke.