In Assenza befindet man sich bereits im Gemeindegebiet von Brenzone, das aus mehreren Uferdörfern gebildet wird. So erreicht man als nächsten Ortsteil Porto di Brenzone mit hübscher Hafenpartie, dann Magugnano, Marniga und schließlich Castelletto, ein Ort mit mehr Charakter als man ihm von der ewig überfüllten Durchgangsstraße her ansehen kann. Denn diese Straße zerschneidet ihn, wie so viele Dörfer am Ufer des Gardasees, in zwei Teile: in den sehr reizvollen, aber völlig touristisierten Hafen und das eigentliche alte Dorf am Berghang mit seinen verwinkelten, für eine bescheidene Landwirtschaft hergerichteten Gehöften. Beides zusammen ergibt erst das Bild jener typischen Uferorte, wie sie jahrhundertelang als Bauerndörfer mit Anlegestelle am Wasser bestanden, bis die Straße sie in buchstäblich zwei getrennte Welten zerriss. Wie wenig die heutige Überbetonung des Hafens dem wirklichen Leben dieser Dörfer entspricht, zeigt sich nirgendwo so deutlich wie hier in Castelletto, denn wenn man auf der anderen Seite der Straße nur einige Schritte bergaufgeht, befindet man sich plötzlich in einem Gewirr dunkler, altertümlicher Gassen, die den nur wenige Meter entfernten überfüllten Hafen nicht mehr ahnen lassen. Steigt man die steilen, teils unter Gewölben verlaufenden Straßen hinauf, so erreicht man, vorbei an Häusern des 16. Jh. mit verzierten Toreinfahrten, das eigentliche historische Zentrum des Ortes: die Piazza dell’Olivo, den Olivenplatz. Warum er so heißt, wird man bemerken, wenn man sich hier oben umsieht: Der ganze Ort liegt in einem endlosen Ölbaumwald, der sich hoch bis an die Felsen des Monte Baldo erstreckt und durch alle Zeiten die ökonomische Grundlage der bäuerlichen Existenz in Castelletto darstellte. Fast nirgendwo am Ostufer findet man ihn noch so unberührt wie hier, weshalb man keinesfalls den zehnminütigen Weg hinauf nach Biasa auslassen sollte.
Spätestens beim Ortseingangsschild von Biasa zweigt rechts ein Weg wie in eine vergangene Welt uralter Ölbaumhaine ab. Dieser Weg führt vorbei an vom Efeu überwucherten Terrassenmauern, durch Verfallende Torbögen, über kleine Bäche, um knorrige Baumstämme, die sich oft in bizarren Gebilden aus dem Boden winden. Die ganze Landschaft ist von einer fremdartigen, südländischen Romantik; der Eindruck wird gekrönt durch das intensive Blau des Sees, das durch die silbrig schimmernden Blätter der Olivenbäume heraufleuchtet.
Nicht minder sehenswert ist der winzige Ort Biasa selbst, der nur aus zwei verschachtelten Häusergruppen besteht. Seine besondere Note Erhält er dadurch, dass die untere Gruppe, die man zuerst erreicht, auf mächtigen Substruktionsmauern in die Reste eines großen Kastells der Scaligeri gebaut ist. An dessen Rand ragt die verschlossene, überwucherte kleine Kirche Sant’Antonio aus spätromanischer Zeit über die Ölbäume, neben dem Portal ist das Fresko eines großen Christophorus noch gut zu erkennen. Fährt man von Castelletto ein Stück nach Süden, so erreicht man bald die letzte Sehenswürdigkeit des Ortes. Wo eine hohe Zypressenallee links den Friedhof anzeigt, steht hinter einer Mauer die Kirche San Zeno aus dem 11. oder 12. ]h. Sie besitzt einen ungewöhnlichen, weil zweischiffigen Grundriss; der Innenraum, geteilt von Arkaden, welche im Stützenwechsel von Pfeilern und Säulen getragen werden, ist von urtümlicher, eindrucksvoller Gesamtwirkung. Das erste und dritte Kapitell sind wieder verwendete Teile eines älteren, vermutlich römischen Baus, darauf deuten die im Friedhof in 2 m Tiefe gefundenen antiken Fundamente. Auffallend sind weiter die dreiapsidiale Ostwand (bei nur zwei Schiffen) und der umfangreiche, aber durch zahlreiche Übermalungen etwas chaotische Freskenschmuck. Die zu erkennenden Bilder (Leben Johannes des Täufers, Kain und Abel, mehrere Apostel, eine Frauengestalt) tragen alle die Merkmale jenes belebten, verspäteten byzantinischen Stils, den man schon aus Assenza kennt.