In Riva beginnt die reizvolle Fahrt durch das 500 m über dem Gardasee gelegene Ledrotal mit seinen zwei Seen. (Derzeit gesperrt ist die spektakuläre Straße durch die Ponale—Schlucht, die vom Seeufer kurz hinter Riva abzweigt. 1851 war sie von den Österreichern in den senkrechten Fels gesprengt worden. Dieser Straßenbau hatte damals natürlich keine touristischen, sondern militärische Gründe, im Ersten Weltkrieg verlief sogar die Grenze zwischen dem damals noch österreichischen Trentino und Italien durch dieses Tal.) Bei Molina di Ledro erreicht man den Ledrosee, den es ebenso wie den Gardasee ohne die eiszeitlichen Gletscher nicht gäbe: Über dem heutigen Riva waren die Eismassen noch etwa 1100 m dick; sie schoben sich ein Stück ins Ledrotal hinein und versperrten seinen Ausgang durch eine eingeschobene Moräne, hinter der sich der See aufstaute, Sein Abfluss, der Ponale, grub sich durch den Moränenschutt und stürzte in einem einst berühmten Wasserfall hinunter zum Gardasee, doch seit ein Elektrizitätswerk sein Wasser nutzt, ist er verschwunden.
Den Bewohnern von Molina waren die seltsamen Pfähle unter dem Wasserspiegel schon immer bekannt, sie stellten ein einziges Argernis beim Einholen der Fischernetze dar. Als im Jahre 1929 der See zu hydroelektrischen Zwecken angezapft wurde und sein Wasserstand sank, kamen dazwischen unzählige Gebrauchsgegenstände unbekannter Herkunft, Vasen, Krüge, Dolche, Keulen und Schmuck, zum Vorschein. 1937 begann eine Ausgrabungskampagne, die die Reste eines großen Pfahlbautendorfes der Zeit um 1700 v. Chr. aufdeckte. Auf 4500 mz fand man über 10 000 Pfähle, an denen noch genau die komplizierte Konstruktionsweise der Hüttenböden studierbar war. Eine solche Hütte hat man heute neben dem vorzüglich sortierten Museum rekonstruiert; dass nur noch ein kleiner Teil der Pfähle zu sehen ist, liegt wiederum am Kraftwerk: Durch den gesenkten Wasserspiegel verminderte sich der Wasserdruck auf das Ufer, sodass ein großer Teil der Ausgrabungsfläche abrutschte.
Das Tal hatte durch das ganze Mittelalter unruhige Zeiten gesehen, denn vor dem Bau der Uferstraßen am Gardasee war dies eine der belebtesten Verbindungen ins Mailändische. Die Grafen von Tirol, die Bischöfe von Trient, die Scaligeri aus Verona und schließlich Venedig und Mailand schlugen sich erbittert um den wichtigen Verbindungsweg, bis in einer berüchtigten Schlacht ein venezianisches Heer unter Sanseverino die Mailänder 1438 vernichtend schlug; der Ort des Gemetzels heißt noch heute Valle dei M orti (Tal der Toten). Der Kunst im Ledrotal haben diese kriegerischen Ereignisse nicht gutgetan, die hübschen alten Dörfer enthalten noch pittoreske Partien mit einigen verblichenen Außenfresken an den Häusern, aber nichts Besonderes. Ein seltsames Andenken bewahrt die zwischen Bezzecca und Tiarno links neben der Straße in angenehmer Wiesenlandschaft stehende Kirche Santa Lucia: Sie enthält mittelmäßige Fresken der Jahre 1422-28, in den Mantel einer Madonna wurde 1532 eine Inschrift eingeritzt, die von der Enthauptung des venezianischen Heerführers Conte di Carmagnola berichtet. In Tiarno di sotto kann ein Blick in die Pfarrkirche San Bartolomeo (1862) nicht schaden, auf dem Hochaltar befindet sich ein Polyptychon venezianischer Schule (1587), also mehrere in einem Schnitzrahmen angebrachte Tafelgemälde. Aufregender ist jedoch ein Spaziergang (15 Min.) zum Gorg d’Albis, einem 30 m hohen Wasserfall des Baches Marsangla.
Der melancholische kleine Lago d’Amp0la kurz dahinter, der einst mit dem Ledrosee eine zusammenhängende Wasserfläche bildete, sieht nun langsam seinem Ende durch Versumpfung entgegen. Hier zweigt eine empfehlenswerte Straße hinauf zum Monte Tremalzo ab, die bei einem alten Berggasthof endet. Hinter dem Ampolasee folgt die Straße der Klamm des Palvico, bei Storo erreicht man das Tal des Chiese, der wenige Kilometer südlich den Idrosee speist.