Links neben dem römischen Theater führt eine Treppe, deren Verlauf schon auf einer Zeichnung aus dem 10. ]h. sichtbar ist, hinauf auf den Hügel San Pietro, seit den Römern der Festungsberg hoch über der Etsch. Auf ebenderselben Zeichnung, der >Iconografia Rateriana<, ist am Ende der Treppe ein angedeuteter Palast zu sehen, ein zweiter mit zwei großen Türmen ist am Ufer der Etsch abgebildet. Einer von beiden soll der sagenhafte Palast des Gotenkönigs Theoderichs des 7 Großen gewesen sein, und einiges spricht dafür, dass er hier oben, in den Mauern der ehemals römischen Zitadelle stand. Sollte es so gewesen sein, dann hat hier auch die berühmt—berüchtigte Szene gespielt, in deren Verlauf Alboin, der König der den Goten folgenden Langobarden, seine Gemahlin Rosamund zwang, ihm aus dem Schäl del ihres Vaters zuzutrinken, wofür sie ihren Gatten von ihrem Geliebten Helmich ermorden ließ. Nach der Niederwerfung der Langobarden residierte der fränkische König Pippin auf dem Berg « über der Stadt, dann geriet die Festung außer Gebrauch: Die Veroneser Bischöfe verbarrikadierten sich in der Arena, die Scaligeri in ihren wehrhaften Stadtpalästen, dann im Castelvecchio. Erst die Visconti bauten das Castel San Pietro zu einer gewaltigen mittelalterlichen Burg aus, wie sie noch mit Mauern und Türmen auf der Radierung des Matthäus Merian zu sehen ist. Diese Burg wurde als strategisch wichtiger Punkt in den Kämpfen Napoleons gegen die Österreicher völlig zerstört, 1831 begannen letztere mit dem großen kasernenartigen Bau des heutigen Castel San Pietro (17), neben dem nur noch ein Gartenrestaurant mit dem Namen >Teodorico< an die Geschichte des Ortes erinnert. Die Fortifikationen auf den umliegenden Hügeln sind Kanonenforts aus österreichischer Zeit, als Verona Teil des gefürchteten Festungsvierecks (s. S. 93) war.
Wendet man sich vom römischen Theater etschaufwärts, erblickt man zwei markante Kirchenbauten: einen Steinwurf entfernt Santo Stefano mit dem achteckigen Vierungsturm und ein wenig weiter die mächtige Kuppel von San Giorgio Maggiore.