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Der Giardino Giusti

Der Giardino Giusti

Geradlinig geht die Via Santa Maria in Organo in die Via Giardino Giusti über, und in der engen Straßenschlucht zwischen den Wänden alter Häuser mag man sich fragen, ob der Name nicht nur eine ferne Erinnerung vergangener Schönheit darstellt. Doch wenn man das Tor der verblichenen Fassade mit der Hausnummer 2 durchschreitet - einst war sie mit illusionistischen Säulen freskiert —, steht man im arkadengeschmückten Innenhof des Palastes der Familie Giusti, ein riesiger alter Leuchter hängt unter den Gewölben und durch die schmale Tür einer zinnenbekrönten Mauer geht der Blick in den berühmten Garten. Ein Teil der Familie Giusti musste im 15. Jh. Aus politischen Gründen ziemlich eilig Florenz verlassen und begab sich nach Verona. Hier bauten sie einen schlichten Palazzo und legten dahinter einen Garten an, von dem sie selbst so begeistert waren, dass sie sich fortan >Giusti del Giardin0< nannten. Die alten Zypressen dieser Anlage waren so bekannt, dass sie auch Goethe hierherlockten, der sie »pfriemenartig in die Luft stehen« sah. Im 19. Jh. Wurde der Giardino der Giusti (22) dem veränderten Zeitgeschmack entsprechend in eine englische Parkanlage umgewandelt, in die jedoch gegen Ende des Zweiten Weltkrieges mehrere Brandbomben fielen. Danach hat man den Garten im ursprünglichen RenaissanceStil wieder errichtet und inmitten Veronas eine Oase geschaffen: Da auch über Mittag geöffnet, bietet der Giardino Giusti im Schatten seiner kühlen Brunnen eine angenehme Möglichkeit, die heißesten Stunden des Tages zu verbringen.
Das Gartengelände besteht aus zwei Teilen: Im Vordergrund bedecken mehrere Heckenlabyrinthe die Fläche, in deren Mitte Statuen oder Brunnenschalen stehen, dahinter steigt unter dichter Vegetation ein steiler Hang an. Der zentrale Weg läuft auf eine Groteske mit großem Maul zu, die von der Höhe herabschaut; den Hang hinauf führen künstlich angelegte Pfade, von der Pflanzenfülle in dämmrige Hohlwege verwandelt, auf denen man sich gelegentlich sieht, aber nicht begegnen muss. Vorbei an verfallenden Grotten und überwucherten alten Pavillons treffen sich alle Wege am halb in den Felsen gebauten Treppenturm, der hinauf zu den oberen Terrassen führt, von wo sich ein prächtiger Blick über Verona ergibt.
Zum Eingang zurückgekehrt, beachte man dort an der Mauer mehrere zur Renaissance-Zeit nachgemachte Antiken wie Epitaphe und Statuen sowie ein Kuriosum: Eine Steinfigur auf einem Sockel, an dem ein Holzhammer befestigt ist. Schlägt man damit gegen den Sockel, ergibt sich ein klangloses, trockenes Geräusch, wendet man ihn gegen die Skulptur, erklingt ein melodisch nachschwingender Laut.

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