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Die Longobarden in Oberitalien am Gardasee

Die Longobarden in Oberitalien

Doch der Traum von vergangener Größe währte nur 15 jahre, 568 fielen die Langobarden in Oberitalien ein und diesem kriegerischen Volk hatten die Byzantiner nichts entgegenzusetzen. Sie waren die letzten der germanischen Völkerwanderung, die Italien eroberten.
Für 200 Jahre errichteten sie ein Königreich mit der Hauptstadt Pavia und dem Königskloster San Salvatore (heute Santa Giulia) in Brescia. Die Langobarden, als arianische Christen von der päpstlichen Propaganda verteufelt und bis heute in der Geschichtsschreibung nicht gewürdigt, waren ein Glücksfall für das damalige Italien.
Da sie im Gegensatz zu den früheren Wandervölkern Oberitalien nicht auf ihrem Weiterzug ausplünderten, sondern hier in ihrem neu errichteten Königreich leben wollten, bauten sie die in den Gotenkriegen zerstörten Städte wieder auf, erließen eine verbindliche Rechtsordnung auf der Grundlage der römischen Verwaltung und verteidigten das Land erfolgreich gegen die nun auch in Mitteleuropa auftauchenden asiatischen Reiterscharen.
Doch ihr Erfolg wurde ihnen zum Verhängnis, denn je mehr sie das zerstörte Italien unter ihre heilsame Kontrolle brachten, um so mehr stießen sie mit einer Macht zusammen, die nicht ganz von dieser Welt war. Der in Rom residierende Papst beanspruchte längst die weltliche Macht in ganz Italien, doch die arianischen Langobarden akzeptierten ihn nur als Bischof von Rom, ohne von Gott gegebenem Auftrag zur Führung der Christenheit und schon gar nicht als jemanden, dem sie ihr Königtum unterzuordnen hätten. Mit dieser Nicht-Anerkennung trafen sie das in seiner Führungsrolle keineswegs gefestigte Papsttum an seiner empfindlichsten Stelle, denn denselben Führungsanspruch stellten auch die Metropoliten der Kaiserstadt Byzanz. Da schon damals nicht beweisbar war, dass der Apostel Petrus je in Rom gewesen war, also ob er einem dort residierenden Bischof den göttlichen Auftrag zur Bildung seiner Kirche auf Erden überhaupt hat geben können, musste die fehlende Legitimation des päpstlichen Anspruchs gegen die Langobarden auf andere Weise beschafft werden.
So wurde gegen 750 in den Gängen des Vatikan eine der folgenschwersten Fälschungen der Weltgeschichte ersonnen. Päpstliche Schriftgelehrte stellten damals die Dokumente einer nie stattgefundenen >Konstantinischen Schenkung< her, die beweisen sollten, dass der römische Kaiser Konstantin der Große dem damaligen Papst Silvester I. die Stadt Rom und das gesamte Westreich des antiken Imperiums, also auch ganz Italien, geschenkt habe. Da die Päpste keine eigene Armee hatten, um die Langobarden zu bekämpfen, erschien im Jahre 754 Papst Stephan II. persönlich beim nördlich der Alpen residierenden Frankenkönig Pippin und erflehte Beistand gegen die angebliche langobardische Bedrohung, die indes nur in der Ablehnung des päpstlichen Machtanspruchs bestand.
Ob die Franken, die als mächtigster germanischer Stamm der endenden Völkerwanderung bereits halb Europa bis nach Spanien erobert hatten, auf die Fälschung hereinfielen, oder ob sie die Ausdehnung ihrer Macht nach Italien, ins Zentrum des unvergessenen Imperiums gereizt hat, wird sich nie mehr klären lassen. Jedenfalls hatte Papst Stephan II.
Erfolg, versprach dem Frankenkönig den zusätzlichen Titel > patricius Romarnorum < und nahm zufrieden den Aufmarsch der fränkischen Armee zur Kenntnis. Kurze Zeit später überfielen die Franken in Oberitalien den langobardischen König Aistulf und garantierten dem Papst großen Landbesitz in Mittelitalien, den Grundstein des Kirchenstaats.
Damit war es den Päpsten zum ersten Mal gelungen, zur Festigung der eigenen Machtposition die befreundeten Germanenstämme der Langobarden und der Franken gegeneinander aufzubringen. Durch die neue fränkische Schutzmacht gestärkt, verschärften sich die Gegensätze zwischen Päpsten und Langobarden derart, dass diese mit militärischen Operationen gegen den plötzlich mitten in ihrem
Königreich neu entstandenen Kirchenstaat begannen. In dieser Situation rief Papst Hadrian I. abermals nach den Franken, was deren König Karl, den man heute >den Großen< nennt, nur zu gern hörte.
Er verstieß seine langobardische Gattin, die Prinzessin Desiderata, und marschierte mit einem großen Heer in Oberitalien ein. In der Lomellina, einer Landschaft in der Nähe von Pavia, wurde die langobardische Armee aufgerieben, danach die Königsstadt Pavia belagert und erobert, der letzte Langobardenkönig Desiderius gefangengenommen und in einen fränkischen Kerker gesteckt, wo er starb. Das langobardische Königreich in Italien war vernichtet. Zum Dank setzte der Papst zum Weihnachtsfest des Jahres 800 dem Frankenkönig Karl eine durch nichts legitimierte römische Kaiserkrone aufs Haupt. Denn auch der Papst war von niemandem ermächtigt worden, eine solche machtpolitische Position zu vergeben, doch nahm er sich das Recht und reklamierte es für alle Zeiten allein für sich. Damit nahm das Unheil seinen Lauf.

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