Dieser schönste Platz in der ganzen Stadt ist nur als städtebauliches Gesamtkunstwerk venezianischer Frührenaissance richtig zu würdigen. Venedig besaß Brescia seit dem Jahre 1426 und ließ in gewolltem und von den Brescianern gewünschtem Gegensatz zum mittelalterlichen Domplatz ein neues Regierungszentrum erbauen. 1484 wurde der Platz als stilistische Einheit geplant und 100 Jahre später fertiggestellt. Aus den marmorverkleideten Fassaden sticht der neue venezianische Regierungspalast, die Loggia (4), in ihren edlen Proportionen hervor. Große reich verzierte Bögen und Fenster öffnen sich unter skulpturengeschmückten Prunkbalustraden zum Platz. Durch die offene Säulenhalle und das brunnenflankierte Portal betritt man das prachtvolle Treppenhaus mit seinen noch von der Stadtregierung benutzten historisch ausgestatteten Sälen. Blickt man von der Loggia zurück zur ihr gegenüberliegenden Seite des Platzes, überragt ein Uhrturm die Arkadenreihen; er wurde 1547 nach dem Vorbild der venezianischen Torre dell’Orologio mit beweglichen männlichen Bronzefiguren versehen, die einst mit Hämmern die Stunde schlugen. Die linke Platzseite nehmen die beiden, von einer anmutigen Loggia getrennten Gebäude der Monti di Pieta ein. Eine ihrer Außenmauern trägt römische Inschriftensteine, die bereits zur Erbauungszeit Ende des 15. Jh. auf Anordnung der Stadt eingelassen wurden, sozusagen als erste öffentliche Antikensammlung Italiens,