Das 20 km östlich von Verona gelegene Städtchen kennt jeder – dem Namen nach und von weitem. Soave ist nicht nur der flüchtige Eindruck eines gewaltigen Zinnenkranzes, der neben der Autobahn nach Venedig über den letzten Ausläufern der Lessinischen Berge thront; ein hellgelber Soave Classico mit seinem grünlichen Schimmer und dem trockenen, frischen Geschmack, kühl serviert im Schatten eines Veroneser Palazzo, kann jedes schleppende Besichtigungsprogramm in ungeahnter Weise beflügeln. Kaum jemand kennt jedoch den Herkunftsort des berühmten Tropfens: Wer die Autostrada Serenissima bei Soave verlässt, fährt auf eine den Hang hinaufgebaute, vollständig erhaltene Festungsstadt der Scaligeri zu, außen umgeben von einer Wehrmauer mit 24 Türmen und zwei Toren, überragt von einem mächtigen Kastell, hinter der Mauer ein gemütliches Landstädtchen.
Den Besuch der Burg darf man nicht versäumen, denn sie gibt noch eine Vorstellung von der Macht der Scaligeri, die zeitweise halb Oberitalien bis in die Toskana beherrschten. Wie in Sirmione und Malcesine entpuppt sich das ungeheure Mauerwerk als schmucklose Festung; hinter Tortürmen und Zugbrücken liegen drei ummauerte Höfe übereinander gestaffelt, im obersten der gewaltige Bergfried, eine Festung in der Festung, neben dem 1892 restaurierten Palas. Erbaut hat die Anlage in ihrer heutigen Form Cansignorio della Scala gegen 1369, und sein bizarrer Charakter und seine Mordgier scheinen in den düsteren Riesenmauern mit den Schwindel erregenden Wehrgängen und steilen Treppen ihr Ebenbild zu finden - der Turm war berüchtigt als Gefängnis und Folterstätte. Der Palas daneben mit seiner berühmten steinernen Außentreppe, an deren Beginn die Figur eines Hundes das Wappenschild der della Scala mit einer aufsteigenden Leiter hält, birgt mehrere rekonstruierte Innenräume, die gegen Ende des 19. Jh. mit interessanten historisierenden Möbeln eingerichtet wurden. Darunter befindet sich ein offenes Gewölbe mit einer Waffensammlung aus der Zeit der Scaligeri. Der Turm bietet einen weiten Blick über die Ebene und die Lessinischen Berge.
Der Ort Soave ist dagegen recht freundlich, besonders die alte Hauptstraße, die vom unteren Stadttor direkt auf die große Loggia des ehemaligen Iustizpalastes zuführt, 1375 von den Scaligeri als Sitz ihres Statthalters auf der heutigen Piazza Antenna erbaut. Unter den Bögen der Loggia ist eine schöne spätgotische Marmortreppe zu sehen, davor stehen die Tische einer Enoteca, also eines Weinhandels mit Ausschank, der auch den großen Saal im Inneren zu einer schwer auszulassenden Gelegenheit macht, sich dem lokalen Rebensaft zu ergeben. lässt man sich dort nieder, erblickt man schräg gegenüber die reizvolle Fassade des Palazzo Cavalli, 1411 im Stile der Venezianischen Gotik errichtet, einst vollkommen freskiert vom Veroneser Renaissance-Maler Falconetto, Auf der anderen Seite des Platzes erhebt sich die Pfarrkirche aus dem 18. Jh. Der ansonsten uninteres Sante Bau beinhaltet ein Madonnenbild des Veronesers Francesco Morone (1529) und ein riesiges Deckenfresko, das im historisierenden Stil des 19. Jh. mit biblischer Landschaft, göttlicher Erscheinung, Wolkengewirr und Heiligen, vom Blitz getroffenen Teufeln alles eingefangen hat, was an christlichen Glaubensinhalten der bildlichen Nachhilfe bedarf.