Fast unbeeindruckt von der Würde und Schwere der giottoesken Malerei betrat mit Altichiero der zweite epochemachende Maler des Trecento die Kunstszene Italiens. Geboren in Zevio bei Verona wirkte er vornehmlich dort und im benachbarten Padua, doch strahlte der Einfluss seiner Schule über ganz Oberitalien, in die Toskana und bis nach Böhmen. Er wurde mit seinen idealisierten szenischen Darstellungen des Rittertums und seiner Zeit einer der Begründer des >höfischen Stils der Gotik. In Verona, in der Kirche Sant’Anastasia, sind im großflächigen Fresko der Cappella Cavalli alle Merkmale seines Stils in einem Spätwerk zu studieren: die ungemein menschliche, nicht mirakulöse Darstellung der Personen, ihre Rahmung durch komplizierte gotische Architekturen, die Dominanz der stark szenisch empfundenen Gesamtkompositionen mit ihrem großen Reichtum an Dekor, Gewändern, Waffen und Bauformen über die Einzelperson. Das Wirken Altichieros machte den illustren Veroneser Hof der Scaligeri zu einem der Kunstzentren Oberitaliens und rief die langlebige, qualitätvolle Veroneser Malerschule ins Leben.