Der erste Ort der Riviera Bresciana ist ein altes Fischerdorf mit reizvoll verwinkeltem Ortskern um den malerischen Hafen zwischen den Kolonnadengängen des Rathauses und den Cafes und Trattorien am Ufer. Vor allem aber ist Gargnano, wie das benachbarte Bogliaco, einer der wenigen Orte am See, an denen der Tourismus weitgehend vorbeirauscht, weshalb besonders die Hafenpartie noch viel Ursprüngliches bewahrt hat. Wer dazu noch Kunst sucht, parkt am besten gleich an der Nordspitze des Ortes, bei der neben der Straße aufragenden Pfarrkirche San Martino, Nach vielen Vorgängerbauten wurde auf diesem Platz im jahre 1837 ein höchst eigentiimliches Werk des italienischen Historismus vollendet; der Baumeister Vantini aus Brescia war ein Verehrer des Altertums, und so ließ er hier seine Inspiration eines Pantheons Wirklichkeit werden. Das Kircheninnere stellt hinter einer großen, säulengetragenen Vorhalle einen monumentalen ovalen Saal von riesenhaften Ausmaßen dar, dessen Flachkuppel auf aus den Wänden vortretenden Halbsäulen ruht.
Neben den Ölgemälden des Bertanza ist besonders die Darstellung der jungfrau von Moretto im Hochaltar bemerkenswert, Von der Kirche sind es wenige Minuten bergab zum Hafen, der seinen einzigen historischen Auftritt im jahre 1866 hatte. Während der Kämpfe des Risorgimento hatten sich hierher italienische und französische Kriegsschiffe zurückgezogen, als auf dem See ein österreichisches Geschwader erschien, um sie zu vertreiben. »Man hatte sechs Kanonenboote unter dem Kommando eines veritablen Korvettenkapitäns auf dem See zusammengezogen, die allein schon durch ihre Namen wie >Raufbold< und >Speiteufel< Angst einflößten«, schreibt W Krum, Es kam zu einer heftigen Beschießung des Hafens mit mäßigem Erfolg, der letztliche Ausgang der Kämpfe ist bekannt (s. S. 95f.), Immerhin erinnern noch heute zahlreiche in die Häuser eingemauerte Kanonenkugeln an diesen ungemütlichen Tag in der Geschichte Gargnanos. Folgt man der zwischen den alten Häusern verlaufenden Hauptstraße des Ortes weiter nach Süden, so erreicht man Kirche und Kloster San Francesco, gegründet 1289. Die Fassade mit ihrer Lisenenliederung und dem eleganten Rundbogenportal stammt noch aus romanischer Zeit, das Innere wurde leider im 17. und 18. jh, umgebaut. Rechts neben der Kirche hat sich jedoch unversehrt der Kreuzgang erhalten, und der ist ein Kleinod romanischer und spätgotischer Architektur. Das Geviert ist geprägt von weit gespannten spitzbogigen Arkaden in Eselsrückenform, sie ruhen auf eleganten Säulen mit ebenso einfallsreich wie ungewöhnlich bearbeiteten Kapitellen. Selbst den weltabgewandten Franziskanern war offenbar nicht entgangen, dass sie sich hier zwar noch am Fuße des Gebirges, aber bereits in einer besonderen Gegend befanden: So meißelten sie wie ein Wahrzeichen des in Gargnano beginnenden Südens statt der obligaten Dämonen und Heilssymbole Zitronen, Orangen und Laubwerk in die Kapitelle, dazwischen sind mehrere gelungene Löwenköpfe zu entdecken. Im Sommer befindet sich häufig ein kleiner Antiquitätenmarkt im Kreuzgang.
Unmittelbar an Gargnano schließt sich südlich der Ort Bogliaco an, gleichfalls mit reizvoller Hafenpartie und mäßig touristisiert. Kurz bevor von der Uferstraße die schmale Zufahrt zum Ortszentrum links abzweigt, begingen die Planer der Gardesana ein unverzeihliches Sakrileg: Sie führten die Trasse direkt an der Rückfront der Villa Bettoni entlang und zerstörten so die im Gesamtkonzept des Bauwerks enthaltene Korrespondenz mit dem prunkvollen architektonischen Aufbau des Gartens, der nun auf der anderen Seite der stark befahrenen Straße liegt. In mehreren Terrassen folgt eine großartige Treppenanlage dem ansteigenden Gelände des Parks; die weitläufigen, sich kunstvoll kreuzenden Treppen vor einem geschwungenen Autbau mit Balustraden, Figurennischen mit Marmorskulpturen und einem Nymphäum, seitlich gerahmt von barocken Fassaden, sind am ganzen See einzigartig. Nicht weniger bedeutend ist der Herrensitz der Bettoni selbst, eine prachtvolle dreiflügelige Anlage mit 24-fenstriger Front des 17. Jh. Der Palast befindet sich in Privatbesitz und kann nicht betreten werden, weshalb man selbst die Schönheit seiner äußeren Erscheinung nur vom See aus vollständig genießen kann. Dabei richte man sein Augenmerk besonders auf die von zahlreichen, fast lebensgroßen Skulpturen gebildete Figurengalerie, die den erhöhten Mitteltrakt bekrönt.