Der Name Brescia stammt vom keltischen bric (Anhöhe); auf dem die Stadt überragenden letzten gebirgigen Ausläufer der Alpen, der heute Cidneo heißt, lag auch die Keimzelle der Stadt, die Kernsiedlung des keltischen Stammes der Cenomanen. Als im 3. Jh. v. Chr. Rom gegen die Kelten Norditaliens Krieg führte, kämpften die Cenomanen als einziger keltischer Stamm auf römischer Seite. Die Römer schätzten Bric als Vorposten gegen die kriegerischen Stämme in den Alpentälern und nach der Verleihung des römischen Bürgerrechtes entwickelte sich die nun Brixia genannte Stadt zu einem wichtigen oberitalienischen Zentrum am Kreuzungspunkt zweier Heerstraßen. Man imitierte wie in anderen Städten des Reiches Rom, legte ein Forum an, baute ein Theater und Thermen. Ihre größte Blüte erreichte die römische Stadt unter Kaiser Vespasian (69-79), zu dessen Ehren am oberen Ende des Forums ein großer Tempel erbaut wurde; die eindrucksvollen Reste sind noch zu besichtigen. Nachdem die Stadt in den Wirren der Völkerwanderungszeit mehrmals erobert und geplündert worden war, erlebte sie ab dem 6. Jh. eine neue Blüte als Herzogsitz der Langobarden. Aus der Zeit des letzten Langobardenkönigs stammt eine der größten Sehenswürdigkeiten Brescias: das Kloster San Salvatore (heute S. Giulia), von Desiderius und seiner Gemahlin Ansa gegründet und mit Privilegien und großen Reichtümern ausgestattet.
Unter langobardischer Herrschaft war westlich des römischen Forums ein neues Zentrum entstanden, die Keimzelle der mittelalterlichen Stadt um die heutige Piazza Duomo mit ihren weltlichen und religiösen Repräsentationsbauten. Wie üblich lag die Regierung Brescias im 9, und 10. Jh. in der Hand eines von den deutschen Kaisern mit weltlichen Privilegien ausgestatteten Bischofs. Im 11. Jh. formierte sich die Gegenpartei der Kleinadeligen und Bürger, die spätestens seit 1120 die Staatsgewalt in der nunmehr entstandenen Stadtrepublik Brescia in Händen hielt. In den Kämpfen gegen den oberitalienischen Städtebund der Lombardischen Liga (s. S. 26 f.) belagerte Kaiser Friedrich I. Barbarossa die Stadt zweimal (1158 und1162), zerstörte sie jedoch nicht, nachdem die Bürger sich verpflichtet hatten, die Befestigungsmauern zu schleifen. Nach dem 1183 bestätigten Sieg der Städte gegen den deutschen Kaiser waren die Mauern schnell wieder aufgebaut, doch brachen nun auch hier die verheerenden Rivalitäten zwischen den papstorientierten guelfischen und den kaisertreuen ghibellinischen Familien aus. Dabei konnte sich — im Unterschied zu Verona — keine Partei entscheidend durch setzen und es entstand keine Signorie. Da Brescia weder an verkehrsträchtigen transalpinen Handelswegen noch am Po lag, dem damals wichtigsten Transportweg durch die Ebene, entstand keine reiche Handelsstadt. Die Comzme konnte daher im späten Mittelalter keine eigene Politik betreiben und wurde selbst zum begehrten Objekt benachbarter Mächte. Es folgten zwei Jahrhunderte chaotischer Fremdherrschaften unter Ezzelino da Romano, den Städten Cremona und Verona, unterbrochen von kurzen Episoden vergeblicher Restitutionsversuche kaiserlich—deutscher Machtansprüche. 1339 erschien es dem Rat der Stadt opportun, sich vom doch Mastinos II. della Scala aus Verona dadurch zu befreien, dass man den Mailänder Azzone Visconti rief; das Schreckensregiment seines Hauses brachte die Brescianer 1426 dazu, sich dankbar den expansionsbestrebungen Venedigs zu ergeben, Im November 1438 marschierte jedoch ein starkes mailändisches Heer erneut auf die Stadt. Die Belagerung dauerte fast zwei Jahre; erst nachdem Venedig eine komplette Flotte auf dem Landweg an den Gardasee transportiert hatte (s. S. 54), mussten sich die Mailänder im ]uni 1440 zurückziehen. Die Stadt wurde zum historischen >Industriestandort< des venezianischen Reiches; neben einer bedeutenden Tuchproduktion war vor allem seine Waffenschmiede in ganz Europa geschätzt. Verschont von den blutigen Kriegen, die die konkurrierenden Großmächte Frankreich und Habsburg in Oberitalien austrugen, entwickelte sich Brescia zu einer schönen Stadt voller Kunstwerke: die prachtvolle Piazza della Loggia wurde erbaut, es entstanden ganze Straßenzüge barocker Palazzi und zahlreiche Kirchen mit künstlerisch hervorragender Ausstattung.
Die Glanzzeit ging zu Ende, als der Wiener Kongress 1815 die von Napoleon aufgelöste Republik Venedig nicht wieder konstituierte und Brescia mit ganz Oberitalien der Habsburger Monarchie übereignete. Die bald danach ausbrechenden italienischen Einigungskriege fanden in den berüchtigten >Dieci Giormzte< des Jahres 1849 einen ihrer schrecklichen Höhepunkte: Den nur zehn Tage durchgehaltenen Aufstand der Brescianer Bevölkerung erstickten österreichische Truppen in einem Blutbad. Nachdem Italien 1870 ein geeintes Königreich geworden war, gelangte Brescia wieder zu seiner früheren Bedeutung als Standort der metallverarbeitenden Industrie, Anders als in früheren Zeiten machte sich dies nun in einem Gürtel trister Vororte und Industrieanlagen bemerkbar, von dem man sich auf dem Weg in das historische Zentrum nicht abschrecken lassen sollte.