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Il Risorgimento – die Einigung Italiens am Gardasee

Il Risorgimento – die Einigung Italiens

Die nun fest gefügte oberitalienische Staatenwelt wurde erst- wie in ganz Europa — von Napoleon aufgehoben. Nach seinem Sieg über die Habsburger ließ er 1802 eine italienische Republik ausrufen, in der die Einzelstaaten (Herzogtümer Mailand und Mantua, Republik Venedig) aufgingen. Doch nach dem Untergang Napoleons 1814 wurde die reaktionäre Adelsherrschaft durch den anschließenden Wiener Kongress in ganz Europa wieder hergestellt; fast das gesamte Oberitalien fiel an die habsburgischen Kaiser in Wien. Doch die liberalen Ideen einer vom Adel befreiten, republikanischen Gesellschaftsordnung, die in der kurzen Zeit napoleonischer Herrschaft das Leben bestimmt hatten, blieben auch und gerade in Oberitalien unvergessen, wo die stadtrepublikanischen Traditionen ohnehin noch lebendig waren. Folgerichtig regte sich der erste Widerstand gegen die österreichische Herrschaft in den oberitalienischen Städten; die berühmte Szene in der Mailänder Scala, als bei der Uraufführung von Verdis Oper >Nabucco< das ganze Opernhaus in Anwesenheit des empörten österreichischen Offizierskorps den Chor der Gefangenen »Flieg, Gedanke, auf goldenen Schwingen« mitsang, wirft ein deutliches Licht auf die historische Szene — es war allen Anwesenden klar, dass der Gedanke, der auf goldenen Schwingen
fliegen sollte, der eines von den Osterreichern befreiten Italien war.
Als 1848 in Frankreich, Deutschland und Osterreich eine Welle bürgerlicher Revolutionen ausbricht — selbst Fürst Metternich, der Architekt der Beschlüsse des Wiener Kongresses, wird aus Wien verjagt —, sehen sich die Habsburger massiven Aufständen in den oberitalienischen Städten gegenüber. Verbündet mit den kleinen Königen des Piemont ist die Kampagne zunächst sehr erfolgreich, doch als die konservativen piemontesischen Könige sich vom sozialrevolutionären Element der städtischen Bürgermilizen mehr bedroht fühlen als von den Osterreichern, ziehen sie ihre Armeen zurück. Sofort rücken die habsburgischen Truppen nach, besetzen alle Städte und nehmen blutige Rache. Das habsburgische Regime in Oberitalien nahm nun die Form einer reinen Gewaltherrschaft an. 1859 brach der Aufstand erneut aus, diesmal von Anfang an vom piemontesischen Militär gesteuert; Ziel war nicht nur die Vertreibung der Österreicher, sondern >ll Risorgimento ~ die Wiedergeburt eines italienischen Nationalstaats unter der Krone des Königs von Piemont. Im Bündnis mit den Franzosen besiegten oberitalienische Truppen in der mörderischen Schlacht von Solferino in den Moränen Hügeln des Gardasees die Osterreicher, die Piemontesen zerschlugen den päpstlichen Kirchenstaat, Garibaldi eroberte Süditalien und Sizilien. Als Österreich 1866 auch noch das Veneto abtreten musste, wurde Italien zum ersten Mal seit tausend Jahren von einer staatlichen Zentralgewalt regiert. Mit einer Ausnahme: Das Trentino. Die Weigerung der Osterreicher, dieses italienischsprachige Gebiet an Italien zu übergeben, führte zu einer tödlichen Feindschaft zwischen den beiden Staaten und konsequent dazu, dass Italien 1915 im Ersten Weltkrieg der Allianz gegen die Achsenmächte Preußen—Habsburg beitrat. Es gelang Italien nicht, trotz der grauenhaften Serie der Isonzo-Schlachten und eines ungeheuren Blutzolls, das Trentino zu erobern. Doch war das wesentliche Resultat des Ersten Weltkriegs die völlige Zerschlagung des habsburgischen Staates, der österreichisch—ungarischen Donau- monarchie. So kam das Trentino (zusammen mit Südtirol) 1919 per Vertrag zum italienischen Staat. Der rasch ausbrechende Nationalismus des geeinten Stiefel—Staates führte bereits 1922 zur Ergreifung der Macht durch die Faschisten Benito Mussolinis. In konsequenter Auslegung des völkischen Gedankens und der daraus angeblich ableitbaren Rechte des italienischen Volkes schmiedeten sie aberwitzige Pläne zur Wiedererrichtung des römischen Imperiums und überfielen Abessinien, Jugoslawien, Kreta und Albanien. In den deutschen Nationalsozialisten Adolf Hitlers fanden sie Bruder im Geiste und steuerten mit ihnen in die vernichtende Katastrophe des Zweiten Weltkrieges. Nach 1945 wurde Oberitalien — in zunehmend schärfer werdendem Gegensatz zum verarmten Süditalien — zu einer der industriell, agrarisch und touristisch höchstentwickelten Regionen Europas.

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