Den unteren Teil der Küsten-Valtenesi nimmt die in mehrere kleine Dörfer zerstreute Ortschaft Manerba ein, es folgen Moniga und Padenghe. Die Landschaft ist hier trotz der zunehmenden Verbauung mit touristischen Einrichtungen noch recht ursprünglich geblieben, ebenso die Dörfer; von allen Hügelkuppen hat man prächtige Ausblicke über die weite Bucht von Pieve auf die gezackten Berge hinter dem Golf von Salo. Von besonderer Schönheit ist hier die Küste, die sich mit der Halbinsel Punta Belvedere weit in den See schiebt. An ihrem Ende setzt sie sich als versunkenes, grün schimmerndes Riff fort und taucht nach etwa 300 m in Form der zypressenbestandenen Insel San Biagio wieder auf. Überragt wird die Bucht von der mächtigen Silhouette des fast 200 m aus den Fluten aufsteigenden Felsens der Rocca di Manerba, an dessen nach Süden gewandtem steilen Küstenstreifen der kleine Hafen Porto Dusano am Ufer Platz gefunden hat; ein paar Häuser, ein Café, außerhalb der Saison ein idyllischer Ort.
Im Gegensatz zur friedlichen Schönheit dieser Landschaft hat die Gegend eine bewegte Geschichte hinter sich (Funde zur Geschichte der Valtenesi bewahrt das kleine Museo delle Valtenesi in Montinelle). Denn hier war der Zugang zum Wasser nicht mehr durch kilometerlange Felswände behindert; wer sein Herrschaftsgebiet bis zum See ausdehnen wollte, der hatte hier Gelegenheit dazu, und wer schon da war, konnte nur hoffen, dass seine Mauern fest genug waren. Bis ins 8., 9. und 10. Jh. reichen die Reste der riesigen Kastelle zurück, die ihre Vorläufer in noch älteren Fluchtburgen vor den Hunnen und Magyaren hatten, welche schon zur Völkerwanderungszeit plündernd vorbeizogen, denn in diesem von der Natur so gesegneten Landstrich gab es immer etwas zu holen. Im Jahre 776 sahen die Valtenesi eine fränkische Armee, die zur Belagerung der Burg auf der Rocca di Manerba zog, wo sich hoch über dem See der Enkel des von den Franken gestürzten Langobardenkönigs Desiderius verschanzt hatte; dieser letzte langobardische Widerstand hielt sich hier noch zwei lahre. Besonders einschneidend waren die kriegerischen Ereignisse des Mittelalters, denn sie veränderten das Siedlungsbild der Küsten-Valtenesi: Die einst am See gelegenen kaisertreuen Städte Manerba und Scovolo wurden 1276 nach dem Sieg der Brescianer Guelfen dem Erdboden gleichgemacht und nie wieder aufgebaut. Die Bewohner zogen sich in kleine Dörfer in die Hügel zurück, weshalb sich noch heute in dieser Gegend kein größerer Ort in Ufernähe befindet und die große romanische Pfarrkirche des alten Manerba verwaist und verwahrlost fast isoliert nahe dem Strand steht.
Diesem Bau, der Pieve Vecchia, begegnet man als erster bemerkenswerter Kirche, wenn man von San Felice weiter nach Süden fährt. Es handelt sich um eine dreischiffige Pfeilerbasilika mit großer Rundapsis aus dem Jahre 1145, die einst eine bedeutende Freskenausmalung besaß und vielleicht unter dem Verputz heute noch besitzt, denn das Kircheninnere ist ziemlich heruntergekommen, Reste der guten gotischen Freskierung sind überall zu sehen.
Wie die alte Pieve sind auch die kunsthistorisch bedeutsamen Kirchen der Dörfer, die die Gemeinde Manerba bilden, meist verschlossen und verwahrlost, selten restauriert und gepflegt. Da es umfangreicher Nachfrageaktionen bedarf, um hineinzugelangen, seien hier die wichtigsten kurz erwähnt, denndurch Zufall kann man sie Schon einmal geöffnet finden: Santa Lucia im Ortsteil Balbiana imit spätgotischen Fresken des 15. ]h., daneben in der Fraktion Solarolo die Dreifaltigkeitskirche am nördlichen Ortsrand, ein kleiner dreischiffiger Bau des 15. Jh. mit ausnahmsweise restaurierten Fresken der gleichen Zeit; im selben Ort die große spätbarocke Pfarrkirche. Durch Weinberge, an denen ein angenehmer, leichter Tropfen gedeiht, erreicht man sodann Moniga, dessen gewaltiges Kastell wie eine quadratische Stadtmauer wirkt. Auf das 10. ]h. zurückgehend, stammt die heutige Anlage aus der Zeit um 1300; tritt man durch das Portal des Torturms, so steht man jedoch in einem kleinen Dörfchen, das sich im Laufe der Zeit im Mauergeviert angesiedelt hat.
Ein ähnliches Bild bietet die nahe gelegene noch größere Festung von Padenghe, die beherrschend auf einem Hügel thront und mit vorspringenden Türmen und einem Zwinger mit Rundturm auch stärker befestigt war; innen liegt ebenfalls ein altes Dorf. Der heutige Ort Padenghe gruppiert sich zu Füßen des Burgbergs um die barocke Pfarrkirche, die einen Blick lohnt. Denn innen hängt in der zweiten Seitenkapelle links ein Tafelbild von Zenon Veronese (1484-1554), jenem in Verona geschulten Renaissance-Maler, der seit seiner Jugend in Salo wohnte und fast ausschließlich am Gardasee tätig war.
Das Bild zeigt eine thronende Madonna zwischen Heiligen. Ebenso sehenswert ist das große Farinati—Bild rechts neben dem Hauptaltar, ebenfalls ein Werk der Renaissance, das barocke Deckenfresko einer Himmelfahrt Mariens mit einem illusionistischen Rundtempel und das schön vergoldete Orgelgehäuse gegenüber einer Kanzel der gleichen Art.