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Piazza Broletto und Piazza delle Erbe

Piazza Broletto und Piazza delle Erbe

Gegenüber dem Dom, am anderen Ende der weiten Piazza Sordello, verlässt man unter dem Torbogen des Voltone den einst abgeschiedenen iürstlichen Residenzbezirk und betritt die geschäftige Welt der einstigen Stadtrepublik Mantua. Die Piazza Broletto wird durch die romanisch-gotische Gebäudegruppe des Palazzo del Broletto (7) von der Piazza delle Erbe getrennt. Hier residierten die Verwaltungsorgane der mittelalterlichen Stadtrepublik; das malerische Bauensemble aus Portalen, Treppen, Bogengängen, gotischen Fensterfronten und zinnenbekrönten Dächern wurde 1227 begonnen (man beachte die säulenumgebene romanische Sitzfigur des römischen Dichters Vergil) und wird überragt von der Torre Civica, dem Stadtturm aus dem 12. Jh. Die anschließende Piazza delle Erbe war neben dem Verwaltungszentrum der große Handelsplatz der Stadtrepublik, auf seiner ganzen Länge flankiert vom langgestreckten frühgotischen Palazzo della Ragione (8). Im oberen Stockwerk des 1250 errichteten Palastes, erkennbar an der eindrucksvollen Galerie von sieben Triforienfenstern, befindet sich der riesige Saal der stadtrepublikanischen Versammlungen, die Hunderte von Mitgliedern besaßen. Daneben steht der mächtige Uhrturm (1473), gegenüber eine Reihe mittelalterlicher (und heutiger) Geschäftshäuser, die mit ihren Laubengängen bis ins 12. Jh. zurückreichen.
Der Platz wird begrenzt durch den massigen Bau der romanischen Rotunde San Lorenzo (9), jener ersten Pfarrkirche für die Bürger der Stadt, die 1082 von der Markgräfin Mathilde von Canossa gestiftet worden war. Der Bau erlitt ein eigentümliches Schicksal: 1579 wurde er profaniert, da das lebhafte merkantile Treiben auf dem großen Marktplatz seine liturgische Funktion unmöglich machte. Nach dem völligen Niedergang Mantuas nach 1630 nutzten zahlreiche verarmte Bürger das stabile romanische Mauerwerk zur Verankerung neuer Behausungen, in denen die Kirche schließlich vollkommen verschwand und vergessen wurde. Erst 1908 wurde sie zufällig wieder entdeckt. Eine jahrzehntelange Restaurierung hat seitdem ein zwar schmuckloses, doch eindrucksvolles Exemplar der ideenreichen lombardischen Romanik zurückgewonnen. Die mächtige Backsteinrotunde, außen durch Lisenen und Rundbogenfriese gegliedert, entpuppt sich im Inneren als doppelgeschossige Emporenkirche: Ebenerdig wird ein runder Zentralraum von mächtigen Arkaden eines Umgangs begrenzt, dessen trapezoide Kreuzgratgewölbe einen ebenso gestalteten Emporenumgang tragen. Im Inneren des dicken Mauerwerks führen zwei schmale Treppen dort hinauf. Man versäume nicht, an der Ecke des Platzes einen Blick auf die Fassade des Wohnhauses des reichen Händlers Boniforte da Concorezzo (10) mit ihren eleganten Fenstergalerien der Frührenaissance (1455) zu werfen.

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