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San Bernardino, verona

San Bernardino

Warum man die Kirche San Bernardino (39; Stradone Antonio Provolo) erst besichtigen sollte, nachdem man San Zeno gesehen hat, wird man vor ihrem Hochaltar bemerken. Zunächst betritt man die große Anlage des gleichnamigen Franziskanerklosters durch einen riesigen Vorhof mit weitläufigen Arkadengängen. Am unteren Ende des Platzes erhebt sich der mächtige, kahle Bau der 1452-66 errichteten Kirche mit einem weiten Innenraum, sehr hoch mit offenem Dachstuhl. 1486-1522 entstanden an der rechten Langhauswand mehrere Kapellen, deren Reihe heute den Eindruck einer Art Seitenschiff macht. Diese Kapellen besitzen zum Teil kostbare Ausstattungen: Die erste rechts wurde von Nicolo Giolfino (s. S. 229) freskiert (1522, u. a, Leben des hl. Franziskus), in der zweiten befindet sich ein Altarbild von Francesco Bonsignori (1488). Die vierte Kapelle zeigt eine Ausmalung von Domenico Morone mit Wundern des hl. Antonius von Padua (um 1500). Am Ende dieser Seite ist das größte Kunstwerk der Kirche zu sehen: die Kapelle der Familie Avanzi. Diese erteilt den Auftrag, in die vollständige Wandtäfelung Gemälde der führenden Veroneser Renaissance-Maler einzulassen (wovon einige durch Kopien ersetzt wurden): Das große Gemälde an der Stirnwand stammt wiederum von Giolfino, daneben Tafelbilder von Paolo Morando, an den Seitenwänden weitere Giolfinos, eine Lazarus-Erweckung von Badile, ein Christus von Caroto, sogar eine Kopie eines Paolo Veronese. Danach öffnet sich vor dem Presbyterium noch ein Rundbogen zum Zentralraum der Cappella Pellegrini,ab 1529 nach Plänen von Sanmicheli im Stile prunkvoller Hochrenaissance erbaut und ausgestattet. Das große Bild des Hochaltars wird einem nach dem Besuch von San Zeno merkwürdig bekannt vorkommen: Es stellt eine 1463 von Francesco Benaglio gemalte freie Kopie des Mantegna-Triptychons dar. Es ist der einzige Nachhall dieses genialen Werkes in der provinziell gewordenen Veroneser Kunst dieser Zeit, bevor sie sich unter venezianischem Einfluss wieder erholte. Gelegenheit hätten sie jedoch damals schon genug gehabt, die Veroneser Maler, sich am überragenden Werk des Mantegna zu orientieren, meint Maria Teresa Cuppini und stellt fest, dass dieses Werk für die veronesische Kunst eigentümlich folgenlos blieb. Allein Francesco Benaglio hatte es sich zum Vorbild genommen, und der hätte es besser nicht getan: Zwar werden auch hier drei durch plastische Säulen getrennte Gemälde durch eine fortlaufende Scheinarchitektur zu einem Raum zusammengefasst, doch findet sich keine Spur der souveränen Illusionstechnik des Vorbildes. Und die Figuren: anstelle der statuarischen Ruhe der Gestalten des Originals exaltiertverrenkte Personen, unnatürliche Körperhaltungen, über-expressive Mimik - eine vollkommen manierierte Aufmischung der mantegnesken Kunst. An der linken Langhauswand beachte man die von Domenico Morone bemalten Flügel des Orgelgehäuses (1481) sowie den Renaissance-Altar von 1572 mit Bernardino Indias eindrückliChem Altarbild einer Geburt Christi.
Das neben der Kirche gelegene Kloster enthält noch eine bekannte Räumlichkeit: die so genannte Sala di Morone, die ehemalige Bibliothek, 1494-1503 erbaut und von Domenico Morone und seinem Sohn Francesco vollständig ausgemalt. Auf dem großen Fresko der Stirnwand sieht man Franziskanerheilige mit Graf Sagramoso und seiner Gattin, die Bau und Ausschmückung des Saales finanziert hatten; im Hintergrund einige der gräflichen Besitzungen, u. a. Malcesine am Gardasee. Drum herum wenden sich je zwei Franziskanergelehrte in gekonntem Illusionismus diskutierend einander oder dem Betrachter zu. (Für die Besichtigung wende man sich an die Klosterpforte.) Wenn man schon in San Bernardino ist, sollte man noch ein paar Straßen weitergehen und wenigstens einem der berühmten Stadttore des Sanmicheli seine Reverenz erweisen. Der gewaltige Block der Porta Palio (40), Teil des venezianischen Bastionssystems, 1542-57 errichtet, öffnet sich mit fünf riesigen Rundbögen zur Stadt, nach außen mit einem reich verzierten Portikus. Hier wirkt das Festungstor wie ein antiker Prunkbau: Mit dorischen Halbsäulen, Gebälk, Rustika und umlaufendem Maskenfries hat er Anklänge an eine römische Theaterdekoration.

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