Santo Stefano (18) ist eine der ältesten frühchristlichen Kirchenbauten Veronas, die spätestens im 5. ]h. errichtet wurde. Die Annahme, dass Theoderich der Große in ihren Mauern stand, ist mehr als wahrscheinlich, befand sich sein königlicher Palast doch ganz in der Nähe. In einer seiner Verfügungen ist sie auch erstmals erwähnt, und dies in unüblichem Zusammenhang: 520 ordnete er eine Strafaktion gegen die Gemeinde Santo Stefano an, da diese der Übergriffe auf Synagogen für schuldig befunden worden war. Von der ursprünglichen einschiffigen Kirche sind nur noch Mauerteile und einige Kapitelle erhalten. Heute bildet der Bau außen und innen ein kompliziertes Gemisch verschiedener Epochen, doch hielt man sich im wesentlichen immer an die Ausmaße der alten Kirche. So wurde im 10. Jh. nach Zerstörungen durch die Ungarn das Innere in einen dreischiffigen Raum verwandelt, ohne die Außenmauern zu verändern, und die Chorapsis mit einem zweigeschossigen Umgang versehen. Nach dem Erdbeben von 1117 entstanden der in Verona einzigartige achteckige Vierungsturm mit den zwei geschossig angeordneten Biforien und eine neue Fassade im romanischen Baustil. Obwohl die wesentlichen Veränderungen nach dem ersten Bau in einem Zeitraum von fast 700 jahren erfolgten, gehört Santo Stefano noch heute zu den ältesten und beeindruckendsten Kirchen der Stadt.
Der architektonisch interessanteste Teil des Innenraums ist der niedrige Chorumgang aus dem 10. Jh., der zu den suggestivsten Beispielen der vorromanischen Kunst Oberitaliens zählt. Beachtenswert sind die unbeholfen wirkenden Kapitelle, die an jene in San Zeno in Bardolino erinnern. Im Scheitelpunkt des Umgangs steht ein einfacher Bischofssitz des 11. Jh., das Gewölbe des Altarraumes bemalte Domenico Brusasorci (Mitte 16. Jh.); das gotische Fresko in der Kapelle links des Presbyteriums steht dem Stile Stefanos da Verona nahe. Der untere Teil des zweigeschossigen Umgangs aus dem 10. Jh. befindet sich heute in der Krypta, die im 12. Jh. ausgebaut worden war, sodass das Presbyterium und die Seitenschiffe gegenüber dem Kirchenraum erhöht wurden. Im rechten Seitenschiff öffnet sich die 1618/19 angebaute Cappella degli Innocenti, eines der wenigen qualitätvollen Beispiele des Veroneser Frühbarock.