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Stadtrundgang von Brescia

Stadtrundgang


Domplatz (Piazza Paolo VI.) Mit dem Domplatz, in der Mitte der großen Altstadt, betritt man das mittelalterliche Zentrum Brescias. Die gesamte Ostseite des langgestreckten Platzes wird gesäumt von der monumentalen Kulisse zweier Kathedralen und des Broletto, des Regierungsgebäudes der Stadtrepublik aus dem 12. Jh. Schon im 6. Jh. war unter langobardischer Herrschaft an der Stelle der heutigen romanischen Rotunde eine Basilika errichtet worden, wahrscheinlich entstand daneben zur gleichen Zeit der Vorgängerbau des barocken Doms. Im 11./12. Jh. wurden beide Kirchen durch Neubauten ersetzt, sodass der Platz bis zum Jahre 1604 den einzigartigen Anblick von drei nebeneinander gelegenen Monumentalbauten der Romanik bot: Neben dem Broletto diente der Dom San Pietro als Sommer-, die Rotunde Santa Maria Maggiore als Winterkathedrale. Dann jedoch schritt der einheimische Architekt Battista Lantana zu Werke und beglückte die Stadt mit dem Plan eines zeitgemäßen frühbarocken Neubaus, für den die romanische Sommerkathedrale in der Mitte abgerissen wurde. Mit den damaligen Umgestaltungen des Domplatzes verschwand nicht nur seine ursprüngliche Zweiteilung in einen bürgerlichen Marktplatz vor dem Broletto und dem eigentlichen sakralen Mittelpunkt mit den beiden Domen, sondern auch die stilistische Geschlossenheit des mittelalterlichen Stadtzentrums. Seitdem übeiragt ein gewaltiger Barockbau mit der drittgrößten Kuppel Italiens seine romanischen Nachbarn.
Die Rotunde der Winterkathedrale, des Duomo Vecchio (1), ist einer der eindrucksvollsten Bauten der lombardischen Romanik. Außen streng gegliedert, ist das Innere von großartiger Raumwirkung: Unter schweren Gewölben führt ein runder Umgang um den ganzen Bau, aus dem man durch acht große Bögen ins Innere des riesigen Zentralraums blickt. (Auf dem Fußboden der Rotunde markieren schwarze Linien die Ausmaße der ursprünglichen Kirche des 6. Jh.) Der Umgang öffnet sich auf seiner ganzen Ostseite nach außen, wo eine reich gestaltete gotische Choranlage mit überkuppelten Querarmen und zwei Nebenchören (15. Jh.) angebaut wurde. Davor führen vom romanischen Rundbau zwei Treppen tief hinunter in eine Krypta des 9. Jh. — die äußerste architektonische Komplexität des Bauwerks stellt zugleich eine Synthese seiner historischen Komponenten dar.
Die karge Einrichtung besitzt mehrere bedeutende Ausstattungsstücke. Da die Winterkathedrale Grablege des Brescianer Episkopats war, finden sich mehrere, von comaskischen Meistern vorzüglich skulptierte gotische Bischofsgräber im Rotundenumgang. Das bemerkenswerteste steht gleich hinter dem Eingang: im großen Sarkophag aus rotem Veroneser Marmor ist Bischof Berardo Maggi begraben, dessen Amtszeit von 1298-1308 in der Stadtgeschichte die einzige Alleinherrschaft eines Brescianer Machthabers darstellt. Die meisterhaft skulptierten Szenen auf dem Sargdeckel zeigen auf der einen Seite den toten Bischof mit trauernden Priestern; auf der anderen Seite lässt sich Berardo von den verfeindeten Guelfen und Ghibellinen die Beendigung ihrer Machtkämpfe schwören. Das Hochaltarbild der Himmelfahrt Mariens (1526) ist ein frühes Werk des Alessandro Bonvicino, genannt Moretto. Weitere Bilder dieses großen Brescianer Renaissance-Malers hängen im linken Querarm (besonders >Schlafender Elias<); gegenüber, im rechten Querarm, sind zwei Gemälde der Mannalese seines Konkurrenten Romanino zu sehen. Im Mitteljoch des Querhauses erblickt man unter Glasscheiben Mosaiken der ersten Kirche aus dem 6. Jh. und Reste eines römischen Baus, vielleicht einer Therme. Die große fünfschiffige Krypta San Filastrio unter dem Chor wurde im 9. Jh. angelegt, als man die Gebeine des heiliggesprochenen Bischofs Filastrio hierher übertrug.
Die in späterer Zeit eingewölbte Decke ruht auf 16 Säulen, die teilweise aus römischen Bauten stammen und Kapitelle aus unterschiedlichen Epochen tragen. Es lässt sich kaum ein größerer Gegensatz vorstellen als der zwischen der alten Rotunde und dem protzigen Bau des Duomo Nuovo 1604 geplant und 1821 vollendet, stellt seine Entstehung ein 200 jähriges Drama sowohl finanzieller Engpässe als wechselnder Bau pläne eifersüchtig konkurrierender Architekten dar. Heraus kam ein kreuzförmiger Renaissance—Bau in barockem Gewande, dessen pilaster- und säulengetragene Fassade ein übergiebelter Aufbau mit bewegten Statuen krönt. Im Inneren erzeugen die klassisch—strengen Raumproportionen und die grauen Marmorverzierungen an den weißen Wänden eine Atmosphäre kühler Feierlichkeit. Die im ganzen gefällige Ausstattung enthält nur wenige Werke von bedeutendem künstlerischem Rang. Dazu gehört das Kruzifix über dem ersten rechten Seitenaltar, ein Werk des 15. Jh. von naturalistischer Ausdruckskraft. Über dem dritten rechten Seitenaltar befindet sich, eingerahmt von illusionistischer Architekturmalerei, eines der besten Beispiele Brescianer Bildhauerei der Renaissance: das Grabmal des heiliggesprochenen Bischofs Apollonius (um 1510). Im linken Kreuzarm (über dem modernen Monument für den bei Brescia geborenen Papst Paul VI.) sind die ehemaligen Orgelflügel aus dem Alten Dom aufgehängt; es sind die schönsten Bilder des Doms: in warmen Farben schmückte sie Romanino um 1540 mit der Darstellung von Heimsuchung, Vermählung und Geburt Mariens vor weiten Landschaften, Neben dem Neuen Dom erhebt sich der Broletto (3). Der Regierungspalast der Stadtrepublik mit seinem hohen Turm ist ein klassisches Beispiel eines großen Rathauses des 12. und 13. Jh. Vier Gebäudeflügel mit eindrucksvollen romanischen Fenstergalerien (innen veränderte Ratssäle) umschließen einen arkatierten Innenhof. Zur Piazza öffnet sich nach außen die Loggia delle Grida, von der einst die Entscheidungen des Stadtrats verkündet wurden; sie trägt vorzügliche spätromanische Konsolplastik aus der Schule des Antelami (Reliefs der justitia zwischen Richtern und Gefangenen, spätes 13. Jh.). Der massive Bau des Broletto wurde während der Herrschaft der Mailänder Visconti als stadtinterne Zwingburg gegen die Bürger Brescias benutzt.
Dem Broletto gegenüber öffnet sich an der Westseite des Domplatzes eine Geschäftspassage, die am anderen Ende in eine lange Arkadengalerie (südlich fortgesetzt in der Via Dieci Giornate) mündet.  Diese bildet den östlichen Abschluss der Piazza della Loggia.

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